Warum Misteln eine Gefahr für deine Obstbäume sind

Warum Misteln eine Gefahr für deine Obstbäume sind

Wie Misteln sich ausbreiten

Wenn auf deiner Streuobstwiese ein Baum besonders stark von Misteln befallen ist, solltest du wachsam sein – vor allem, wenn er in der Nähe deines alten Apfelbaums steht. Misteln sind nämlich leicht übertragbar. Entferne befallene Äste rechtzeitig, damit sich der Parasit nicht weiter ausbreitet. Besonders auf wenig gepflegten Streuobstwiesen fühlen sich Misteln wohl und können sich dort stark verbreiten.

Die Lebensweise der weißbeerigen Mistel

Die weißbeerige Mistel gibt es in drei Varianten. Jede von ihnen bevorzugt bestimmte Wirtsbäume – von Tannen und Kiefern bis hin zu unterschiedlichen Laubbäumen. Die Tiere, die bei der Verbreitung eine große Rolle spielen, sind Vögel wie die Misteldrossel und die Mönchsgrasmücke. Sie verzehren die weißen Beeren, die im Herbst reifen. Streifen sie mit dem Schnabel die klebrigen Früchte an einen Ast oder geben sie sie im Flug wieder ab, bleibt der Samen am Holz haften.

Der Beginn eines neuen Mistellebens

Sobald die Beere am Ast klebt, startet der Keimprozess: Feine Wurzeln bohren sich ins Holz und zapfen den Baum an. Hat die Mistel erst einmal eine der „Adern“ des Baums erreicht, beginnt sie, sich zu entwickeln – zunächst mit Blättern, ab dem vierten Jahr sogar mit eigenen Beeren. Als Halbschmarotzer produziert sie zwar selbstständig ihre Nährstoffe durch Photosynthese, doch Wasser und Mineralstoffe holt sie sich weiterhin aus ihrem Wirt. Jahr für Jahr wächst eine neue Verzweigung hinzu, mit der Zeit können die grünen Kugeln einen Durchmesser von bis zu einem Meter erreichen und deinen Baum Jahr für Jahr schwächen.

Die Bedeutung der Mistel in Mythologie und Tradition

Misteln genießen seit Jahrhunderten einen fast mystischen Ruf. Früher, im alten Rom, wurden Mistelzweige als Glücksbringer über den Türen aufgehängt, und griechische Helden sollen sie als Eintrittskarte ins Reich der Unterwelt benutzt haben. Auch der nordische Gott Baldur unterschätzte die unscheinbare Mistel – ein Pfeil aus ihrem Holz wurde ihm zum Verhängnis. Die Vorstellung von weiß gewandeten Druiden, die mit goldenen Sicheln Misteln von Eichen schneiden, wurde erstmals vom römischen Gelehrten Plinius dem Älteren beschrieben. Dieses Bild tauchte später sogar als Miraculix im Asterix-Comic wieder auf, wo die Mistel ihren festen Platz im berühmten Zaubertrank hat.

Die Standfestigkeit deines Baumes kann leiden

Verwechslungsgefahr bei der Mistelart

Vielleicht hast du schon gehört, dass bei Plinius einiges durcheinandergeraten ist. Tatsächlich hat die seltene Eichenmistel überhaupt nichts mit der Weißbeerigen Mistel gemeinsam. Während die Eichenmistel fast nur in Südosteuropa vorkommt, findet man sie bei uns in Deutschland lediglich bei Pirna. Früher nahm man diese Unterschiede aber nicht so genau. Über die Jahrhunderte entwickelte sich im Volksglauben der Gedanke, dass jeder Mistelzweig – ganz egal welcher Art – für Fruchtbarkeit steht. Darum kam wohl in England im 18. Jahrhundert der Brauch auf, dass man Damen unter einem Mistelzweig einen Kuss schenken durfte.

Misteln rechtzeitig entfernen

So romantisch die Mistel auch wirkt: Für deine älteren Bäume kann sie richtig gefährlich werden. Wenn die Sommer wieder einmal besonders trocken ausfallen, haben ohnehin viele Laubbäume Mühe, an genügend Wasser zu kommen. Befindet sich dann auch noch eine Mistel als Nahrungskonkurrent am Baum, wird es eng um das Überleben des Baumes. Auch für die Stabilität kann der Parasit zur Bedrohung werden, denn bei mehr Bewuchs durch Misteln steigt das Risiko, dass sich Äste bei starkem Wind oder unter einer Schneelast lösen. Greif deshalb lieber frühzeitig zur Motorsäge und trenne betroffene Äste – am besten mehrere Handbreit vor der betroffenen Stelle – von deinem alten Apfelbaum ab.

Finanzielle Unterstützung für Streuobstwiesen-Besitzer

Falls du eine Streuobstwiese besitzt, brauchst du dir um die Kosten keine Sorgen machen. Die Förderung im Rahmen der Streuobststrategie übernimmt die Ausgaben. Allerdings verpflichtest du dich im Gegenzug, künftig mehr auf deine Bäume zu achten und sie regelmäßig zu pflegen.

Misteln und die Auswirkungen des Klimawandels

Immer mehr verwilderte Streuobstwiesen

Du bemerkst sicher, dass immer mehr Obstwiesen sich selbst überlassen werden. Viele Menschen sind nicht mehr auf die Ernte angewiesen, und so bleibt die Pflege oft auf der Strecke. Damit diese wertvollen Flächen nicht ganz verloren gehen, engagiert sich der Landschaftspflegeverband und stellt ein eigenes Team zusammen. Diese Truppe übernimmt Pflegearbeiten rund um die Streuobstwiesen und finanziert sich so selbst.

Mit Baumwart-Kursen selbst aktiv werden

Falls du dich für Obstwiesen interessierst und gern selbst Hand anlegen möchtest, kannst du spezielle Baumwart-Kurse besuchen. Mit dem Wissen aus diesen Kursen bist du später in der Lage, deine eigenen Obstbäume zu pflegen und gesund zu erhalten. Das macht nicht nur Spaß, sondern kostet auch Zeit und Energie.

Misteln: Profiteure des wärmeren Klimas

Eine wichtige Aufgabe bei der Pflege ist das Entfernen der Misteln. Durch die Temperaturanstiege der letzten Jahre breiten sie sich immer schneller aus. Zugvögel verweilen zudem länger in unseren Breiten, sodass sie die Samen der Misteln ebenfalls häufiger in den Obstbäumen zurücklassen. In den vergangenen 25 Jahren haben sich die Halbschmarotzer deshalb stetig ausgebreitet und machen vielen Baumfreunden das Leben schwer.

Maßnahmen gegen die Ausbreitung der Misteln

Der Landschaftspflegeverband unternimmt viel, um der Mistel Herr zu werden. Im letzten Winter wurden in mehreren Gemeinden die Obstwiesen genau erfasst und befallene Bäume markiert. Die Besitzer wurden anschließend kontaktiert und um ihre Erlaubnis gebeten, damit Spezialisten die Misteln entfernen können – ein aufwändiger Prozess, der sich aber auszahlt.

Misteln richtig entfernen

Damit du die Mistel effizient loswirst, sägst du am besten direkt den kompletten befallenen Ast ab. Lässt sich das nicht machen, hilft manchmal auch das Ausfräsen der Pflanze samt ihrer Senkwurzeln. In hartnäckigen Fällen reichen diese Wurzeln bis zu 15 Zentimeter tief ins Holz hinein und erfordern daher etwas mehr Geduld und Sorgfalt.

Dem Baum noch ein paar Jahre geschenkt

Wie du bei jungen Bäumen vorgehst

Wenn du einen jungen Baum hast, kannst du die Mistel von außen beseitigen und die betroffene Stelle im Anschluss mit Folie schützen. Diese Methode ist zwar recht aufwendig und bringt nicht immer den gewünschten Erfolg, lässt sich aber versuchen. Ist der Mistelbefall zu stark, bleibt dir manchmal nichts anderes übrig, als den Baum kräftig zurückzuschneiden – also so weit einzukürzen, wie es nötig ist. Denk daran, alle drei bis vier Jahre nachzuschauen, ob sich wieder Misteln angesiedelt haben.

Alte Apfelbäume bleiben wertvoll

Hat dein Apfelbaum schon rund acht Jahrzehnte hinter sich, geht sein Lebensweg langsam zu Ende. Die Äste sind brüchig, der Stamm ist mit Moos sowie Flechten bedeckt und Baumpilze nutzen ihn als Zuhause. Trotz dieser Alterserscheinungen bietet so ein alter Baum noch immer vielen Tieren und Pflanzen ein Zuhause. Selbst wenn die Mistel das Absterben zusätzlich beschleunigt, lohnt es sich trotzdem, befallene Äste zu entfernen. So schenkst du deinem alten Apfelbaum noch einige Jahre Lebenszeit.