Biologischer Pflanzenschutz mit Grundstoffen
Mit sogenannten Grundstoffen steht Gartenbesitzern heute eine zusätzliche Möglichkeit zur Verfügung, um Pflanzen vor Krankheiten und Schädlingen zu schützen. Diese Stoffe ergänzen klassische Pflanzenschutzmittel ebenso wie reine Pflanzenstärkungsmittel und eröffnen neue, vergleichsweise umweltschonende Anwendungsbereiche im Haus- und Gartenbereich.
Lange Zeit konnten Hobbygärtner bei Pilzbefall oder Schädlingsproblemen nur zwischen zugelassenen Pflanzenschutzmitteln und stärkenden Präparaten wählen. Grundstoffe schließen diese Lücke, da sie Eigenschaften besitzen, die sich positiv auf die Pflanzengesundheit auswirken können, ohne als klassische Pflanzenschutzwirkstoffe eingestuft zu sein.
Was versteht man unter Grundstoffen?
Nach der Einordnung des Bundesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) handelt es sich bei Grundstoffen um Stoffe, die als unbedenklich gelten und bereits aus anderen Bereichen bekannt sind, etwa aus der Lebensmittel-, Futter- oder Kosmetikherstellung. Sie weisen keine schädlichen Auswirkungen auf Mensch oder Umwelt auf und sind nicht primär für den Pflanzenschutz entwickelt worden, können dort jedoch einen sinnvollen Nutzen entfalten. Grundstoffe bestehen ausschließlich aus natürlichen oder naturidentischen Substanzen und dürfen – sofern sie pflanzlichen oder tierischen Ursprungs sind – auch im ökologischen Landbau eingesetzt werden.
Rolle der Grundstoffe im Pflanzenschutz
Im Unterschied zu klassischen Pflanzenschutzmitteln unterliegen Grundstoffe keinem vollständigen EU-Zulassungsverfahren für Wirkstoffe. Stattdessen werden sie in einem vereinfachten Verfahren genehmigt, sofern ihre Unbedenklichkeit nachgewiesen ist. Diese Genehmigungen sind nicht zeitlich begrenzt, können jedoch jederzeit überprüft werden, falls neue Erkenntnisse Zweifel an der Eignung aufkommen lassen.
Mittlerweile sind im Gartenfachhandel erste Produkte erhältlich, die auf verschiedenen Grundstoffen basieren und gezielt zur Vorbeugung oder Eindämmung von Pflanzenkrankheiten und Schädlingen eingesetzt werden.
Brennnessel-Extrakt gegen Schädlinge und Pilzkrankheiten
Brennnessel-Extrakt zählt zu den bekanntesten pflanzlichen Grundstoffen. Er enthält unter anderem organische Säuren wie Oxalsäure und Ameisensäure sowie weitere natürliche Inhaltsstoffe, die auch in selbst angesetzten Brennnesselauszügen vorkommen. Für Hobbygärtner ist es jedoch kaum möglich, solche Auszüge in einer gleichbleibend exakten und zugelassenen Konzentration herzustellen. Fertige Präparate auf Basis dieses Grundstoffes bieten daher eine praktikable Alternative.
Die enthaltenen organischen Säuren wirken auf viele Schadinsekten und Milben abschreckend . Bereits geringe Mengen können deren Stoffwechsel beeinträchtigen. Ameisen- und Oxalsäure werden deshalb seit Langem auch in anderen Bereichen, etwa zur Kontrolle der Varroa-Milbe in der Imkerei, genutzt.
Im Garten kann Brennnessel-Extrakt unter anderem gegen verschiedene Blattlausarten und Spinnmilben eingesetzt werden. Brennessel -Extrakt wirkt im Garten pflanzenstärkend und kann bei frühzeitigem Einsatz Blattläuse und Spinnmilben schwächen und kann die Widerstandskraft der Pflanze allgemein gegenüber Krankheiten und Stress erhöhen.
Wie bei anderen Grundstoff-Anwendungen empfiehlt sich auch hier eine wiederholte Behandlung. Während der Vegetationszeit können Pflanzen vom Frühjahr bis zur Ernte mehrmals behandelt werden, wobei zwischen den Anwendungen jeweils ein Abstand von ein bis zwei Wochen eingehalten werden sollte. Brennnessel-Extrakt wirkt sowohl vorbeugend als auch unterstützend bei bereits vorhandenem Befall und trägt zur allgemeinen Widerstandsfähigkeit der Pflanzen bei.
Vinegar zur Unkrautbekämpfung und Desinfektion
Der natürliche Grundstoff Vinegar basiert auf Essigsäure, die auch in haushaltsüblichem Essig enthalten ist. Essigsäure wirkt stark austrocknend und zellschädigend und wird deshalb seit Langem zur Reinigung und Desinfektion eingesetzt. Als Grundstoff darf Vinegar ausschließlich in der zugelassenen und geprüften Art und Konzentration im Garten verwendet werden.
Die enthaltene Essigsäure zerstört bei direktem Kontakt die Zellstruktur von Pflanzengewebe. Dadurch welken die oberirdischen Pflanzenteile innerhalb kurzer Zeit. Vinegar wirkt ausschließlich dort, wo er aufgebracht wird, und besitzt keine systemische Wirkung in der Pflanze. Eine nachhaltige Wirkung auf die Wurzeln findet in der Regel nicht statt.
Im Garten eignet sich Vinegar vor allem zur akuten Bekämpfung von Unkraut auf gepflasterten Flächen, Wegen, Terrassen oder Einfahrten. Darüber hinaus kann er zur Desinfektion von Gartenwerkzeugen eingesetzt werden. Durch die Reinigung von Scheren, Sägen und Messern wird die Übertragung von Pflanzenkrankheiten, insbesondere von Pilz- und Bakterienerregern, wirksam reduziert.
Vinegar ist nicht für den Einsatz in Beeten oder auf Kulturpflanzen geeignet, da er keine Unterscheidung zwischen Nutzpflanzen und Unkraut trifft. Aufgrund seiner Wirkungsweise eignet er sich ausschließlich für punktuelle und akute Anwendungen. Wiederholte Behandlungen können erforderlich sein, da Unkräuter erneut austreiben können.
Wichtig ist, dass Vinegar nur in der behördlich zugelassenen und damit geprüften Form und Konzentration angewendet werden darf. Die Verwendung höher konzentrierter oder selbst hergestellter Essiglösungen ist nicht zulässig und kann Pflanzen, Bodenorganismen und Umwelt schädigen.
Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) zur Stärkung und zum Schutz vor Pilzkrankheiten
Der natürliche Grundstoff Ackerschachtelhalm enthält eine hohe Konzentration an Kieselsäure sowie weitere pflanzliche Inhaltsstoffe wie Flavonoide und Saponine. Diese Substanzen sind auch in selbst hergestellten Ackerschachtelhalm-Brühen enthalten, lassen sich im Hausgarten jedoch nur schwer in gleichbleibender und zugelassener Qualität herstellen. Eine zuverlässige Alternative stellen daher Präparate dar, die auf dem Grundstoff Ackerschachtelhalm basieren.
Die enthaltene Kieselsäure stärkt die Zellwände der Pflanzen und erschwert es Krankheitserregern, in das Pflanzengewebe einzudringen. Dadurch wird die natürliche Widerstandskraft der Pflanzen deutlich erhöht. Ackerschachtelhalm wirkt nicht direkt abtötend auf Pilze, sondern unterstützt die Pflanze dabei, sich selbst gegen Infektionen zu schützen.
Im Garten eignet sich der Grundstoff Ackerschachtelhalm besonders zur Stärkung von Obstbäumen, Gemüsepflanzen und Wein. Er hilft vorbeugend und begleitend bei Pilzkrankheiten wie Echtem und Falschem Mehltau, Schorf, Rost, Blattfleckenkrankheiten sowie beim Triebsterben. Eine regelmäßige Anwendung fördert ein gesundes Pflanzenwachstum und erhöht die Widerstandsfähigkeit über die gesamte Vegetationsperiode.
Sinnvoll ist – wie bei allen Grundstoff-Präparaten – ein wiederholter Einsatz. Empfohlen wird eine regelmäßige Blattspritzung vom Frühjahr bis in den Spätsommer, insbesondere bei feucht-warmer Witterung und erhöhtem Krankheitsdruck. Ackerschachtelhalm wirkt sowohl vorbeugend als auch unterstützend bei beginnendem Befall und trägt nachhaltig zur Pflanzengesundheit bei.
Calciumhydroxid-Kalkmilch zum Schutz von Obstbäumen vor Pilzkrankheiten
Der natürliche Grundstoff Calciumhydroxid-Kalkmilch basiert auf gelöschtem Kalk (Calciumhydroxid), der seit Langem im Garten- und Obstbau eingesetzt wird. Calciumhydroxid besitzt stark alkalische Eigenschaften und wirkt dadurch hemmend auf zahlreiche Pilzsporen und Krankheitserreger. Als Grundstoff darf Kalkmilch in zugelassener Form zur Gesunderhaltung von Pflanzen verwendet werden.
Die alkalische Wirkung der Kalkmilch verändert das Milieu auf der Rinde und an der Oberfläche der Pflanzen so, dass sich Pilze und andere Krankheitserreger nur schwer ansiedeln können. Gleichzeitig wirkt die Kalkschicht schützend gegen Witterungseinflüsse und kleine Verletzungen, die häufig Eintrittspforten für Krankheitserreger darstellen. Calciumhydroxid wirkt dabei nicht systemisch, sondern ausschließlich dort, wo es aufgebracht wird.
Im Garten eignet sich Calciumhydroxid-Kalkmilch besonders zum Schutz von Kern- und Steinobst. Sie wird erfolgreich zur Vorbeugung und Eindämmung von Obstbaumkrebs sowie weiteren pilzlichen Rinden- und Holzkrankheiten eingesetzt. Vor allem bei älteren Bäumen und nach Schnittmaßnahmen kann die Anwendung das Risiko von Infektionen deutlich reduzieren.
Die Anwendung erfolgt durch Streichen oder Spritzen der Stämme und stärkeren Äste. Sinnvoll ist der Einsatz vor allem im Spätherbst, Winter oder zeitigen Frühjahr, wenn die Bäume laubfrei sind. Wie bei allen Grundstoff-Präparaten sollte Calciumhydroxid-Kalkmilch nur in der zugelassenen und geprüften Form und Konzentration verwendet werden. Eine regelmäßige, sachgerechte Anwendung trägt wesentlich zur Gesunderhaltung der Obstbäume bei.
Natriumhydrogencarbonat zur Abwehr von Pilzkrankheiten an Pflanzen
Der natürliche Grundstoff Natriumhydrogencarbonat ist ein Salz der Kohlensäure und vielen auch als Bestandteil von Backpulver bekannt. Aufgrund seiner pH-wertverändernden Eigenschaften kann Natriumhydrogencarbonat im Garten gezielt zur Bekämpfung von Pilzkrankheiten eingesetzt werden. Als Grundstoff darf es in zugelassener und geprüfter Form zur Pflanzenbehandlung verwendet werden.
Nach der Anwendung auf den Blättern erhöht Natriumhydrogencarbonat den pH-Wert der Blattoberfläche. Dieses veränderte Milieu wirkt für viele pilzliche Krankheitserreger ungünstig und hemmt deren Wachstum sowie die Sporenkeimung. Die Wirkung erfolgt ausschließlich oberflächlich und nicht systemisch innerhalb der Pflanze.
Im Garten wird Natriumhydrogencarbonat vor allem als Blattspritzung gegen Schadpilze eingesetzt. Es zeigt eine gute Wirkung gegen Echten Mehltau, Falschen Mehltau sowie gegen Apfelschorf und weitere pilzliche Blattkrankheiten. Die Anwendung eignet sich sowohl vorbeugend als auch bei beginnendem Befall.
Wie bei allen Grundstoff-Präparaten ist ein wiederholter Einsatz in ein- bis zweiwöchigen Abständen sinnvoll, insbesondere bei erhöhtem Krankheitsdruck. Natriumhydrogencarbonat darf nur in der zugelassenen und geprüften Konzentration angewendet werden, um Pflanzenschäden zu vermeiden und eine sichere Wirkung zu gewährleisten.
Zusammenfassung
Grundstoffe sind eine umweltfreundliche Lösung für den Pflanzenschutz. Sie fördern gesundes Pflanzenwachstum, wirken vorbeugend gegen Schädlinge und Krankheiten und tragen so zu einer nachhaltigen, ökologischen Anbaupraxis bei .