Wann Zwetschgen schneiden? Sommerschnitt, Wasserschosse & 45–60°-Winkel
Wann Zwetschgen schneiden – und warum das so wichtig ist
Zwetschgen wachsen sehr stark, sie schießen gerne steil nach oben, und sie tragen vor allem am zweijährigen Holz. Deshalb brauchst du einen Plan, denn wenn du falsch schneidest, bekommst du viel Holz und nur wenige Früchte. Mit dem richtigen Zeitpunkt und mit der richtigen Technik lenkst du das Wachstum, und du förderst ruhigere Kronen, mehr Blütenknospen und damit einen verlässlicheren Ertrag.
Bester Zeitpunkt: Sommerschnitt bremst, Winterschnitt feuert an
Am Zwetschgenbaum arbeitest du vor allem im Sommer, also von Juni bis August. In dieser Zeit steht der Baum voll im Saft, und deshalb reagiert er ruhiger. Wenn du jetzt überflüssige Triebe entfernst, dann bremst du das Längenwachstum. Im Winter ist es anders: Schneidest du dann stark, treibt der Baum im Frühjahr oft erst recht mit Wasserschossen nach. Darum gilt: Große Korrekturen im Sommer, nur kleine Formarbeiten im Spätwinter, und Wasserschosse bitte nicht im Winter abschneiden.
Wasserschosse erkennen und richtig entfernen
Wasserschosse sind steil aufrechte, sehr kräftige Triebe, meist im Kroneninneren oder auf stark geschnittenen Ästen. Solche Triebe wachsen nur in die Höhe, sie beschatten die Krone, und sie kosten dich später Ertragsholz. Du entfernst sie im Sommer, und zwar möglichst früh, sobald du sie sicher erkennst. Junge, weiche Wasserschosse kannst du sogar früh im Sommer ausreißen beziehungsweise abstreifen, denn dann reißen sie am Ansatz mit und treiben seltener nach. Ältere schneidest du nahe am Ansatz, aber achte auf den kleinen Astansatz (Astring): nicht in die Rinde schneiden, und keinen Stummel stehen lassen. Mehr Hintergründe und Bilder findest du im Beitrag Wasserschosse an Obstbäumen: erkennen, richtig schneiden und vorbeugen.
Biegen statt sägen: 45–60°-Winkel für ruhiges Wachstum
Sehr oft ist Biegen klüger als Schneiden. Wenn du junge, noch biegsame Seitentriebe auf einen Winkel von 45–60° stellst, dann wächst der Ast langsamer in die Länge, und er bildet eher Blütenknospen. So kommst du früher zum Ertrag, und die Krone bleibt locker. Verwende dafür eine weiche Schnur oder kleine Spreizhölzer, und befestige sie sicher, aber nicht einschneidend. Ganz waagerecht solltest du die Triebe nicht zwingen, denn dann hängen sie später durch. Nach einer Saison kannst du die Fixierung wieder lösen, weil das Holz den Winkel dann meist hält. Praktisch sind kleine Hilfsmittel wie Leittrieb-Clip 5St für sanftes und wiederlösbares Fixieren am Leittrieb oder an seitlichen Trieben.
Erziehung in den ersten Jahren: Schritt für Schritt
Nach der Pflanzung wählst du 3 bis 4 gut verteilte Seitentriebe als Leitäste aus. Diese stellst du per Binden in den 45–60°-Winkel, und du achtest darauf, dass der Mitteltrieb (Leittrieb) etwas höher bleibt. Zu lange, dünne Enden kannst du im Sommer leicht einkürzen, damit sich die Leitäste verzweigen. So entsteht eine stabile, lichtdurchflutete Krone. Wenn du sehen willst, wie das Einkürzen von Triebspitzen die Verzweigung fördert, dann hilft dir dieser Technik-Artikel als Anschauung: Olivenbaum schneiden: Triebspitzen richtig kürzen für mehr Verzweigung, Blüten & Früchte. Das Prinzip ist beim Obst sehr ähnlich, nur dass du bei Zwetschgen besonders das zweijährige Fruchtholz schonen willst.
Fruchtholz erhalten: zweijährig ist Trumpf
Weil Zwetschgen am zweijährigen Holz tragen, lässt du gut platzierte Seitentriebe möglichst stehen, und du schneidest nicht jedes Jahr alles zurück. Stattdessen nimmst du pro Jahr nur wenige, störende oder alte, vergreiste Triebe heraus. Licht ist dabei zentral: Kannst du einen Apfel durch die Krone werfen, ohne dass er bremst? Dann stimmt die Belichtung meistens. Mit dieser behutsamen Pflege bleibt genug junges, aber schon abgehärtetes Holz für Blüten und Früchte erhalten.
Sauber arbeiten: Schnittführung, Wetter und Hygiene
Schneide an trockenen Tagen, und nutze scharfe, saubere Werkzeuge. Setze Schnitte immer so, dass der Astring stehen bleibt. Große Wunden vermeidest du, weil sie lange verheilen und Eintrittspforten für Holzkrankheiten sein können. Wenn doch einmal ein stärkerer Ast weg muss, dann teile den Schnitt in zwei Schritte, damit nichts reißt: erst entlasten, dann sauber am Astring abschneiden.
Wachstum lenken mit Wasser und Nährstoffen
Auch Pflege außerhalb der Schere wirkt. Gleichmäßiges Gießen in Trockenphasen hilft, dass der Baum nicht in Stress gerät und Nottriebe bildet. Düngen solltest du maßvoll, am besten im zeitigen Frühjahr. Zu viel Stickstoff macht nur lange Triebe und neue Wasserschosse. Ein ausgewogenes Baumfutter wie Baum-Power Plus 1kg kannst du nach Anleitung dosiert einsetzen, damit der Baum gut versorgt ist, aber nicht überdreht wächst.
Häufige Fehler – und wie du sie vermeidest
Nicht im Winter massenhaft Wasserschosse kappen, denn das befeuert nur den Austrieb. Junge Triebe nicht waagerecht oder gar nach unten zwingen, sonst hängen sie später. Keine uralten, steifen Äste biegen, weil sie brechen könnten. Bindungen regelmäßig kontrollieren und rechtzeitig lösen, damit nichts einschnürt. Und: Stummel vermeiden, denn sie treiben wild aus und faulen schlecht ab. Wenn du unsicher bist, arbeite lieber in mehreren kleinen Schritten über die Saison verteilt, als einmal radikal.
Wenn du so vorgehst – also im Sommer überflüssige Steiltriebe nimmst, junge Triebe klug in den 45–60°-Winkel bringst und das zweijährige Fruchtholz schonst – dann lenkst du deine Zwetschge weg vom Höhenrausch und hin zu einer ruhigen, fruchtbaren Krone. Bleib geduldig, überprüfe die Bindungen nach ein paar Wochen, und freue dich über die ersten Blütenknospen an deinen gut gestellten Ästen.
Quelle: Der Pflanzenarzt (René Wadas)