So geht´s: Bäume selber schneiden

Schon seit 3500 Jahren ab Oktober, wenn die Temperaturen wieder über den Gefrierpunkt steigen, ist die richtige Zeit zum Schneiden der Obstbäume im Garten. Zwar lassen sich Bäume praktisch das ganze Jahr über schneiden, der Winterschnitt hat aber einige Vorteile. Erstens gibt es im Winter sowieso nicht so viel Arbeit im Garten, aber in erster Linie ist es nun mal einfacher, den Baum dann zuschneiden, wenn er kein Laub trägt.

Bevor wir damit beginnen, den eigentlichen Schnitt zu erklären, ein paar wichtige Hinweise:

Bitte verwenden Sie zum Schneiden nur hochwertige und vor allem scharfe Geräte. Stumpfe Scheren und Sägen führen zu unsauberen Schnittkanten, die es Krankheitserregern erleichtern, sich einzunisten. Außerdem macht es Ihnen unnötig die Arbeit schwer.

  • Schneiden Sie auf keinen Fall bei Minustemperaturen.
  • Besorgen Sie sich vor dem Schnitt ein Wundverschlußmittel, am besten den Sprüh-Verband oder das Baum-Pflaster von Schacht Gartenpflege.

 

Warum Bäume eigentlich schneiden?

Wild wachsende Obstgehölze kommen auch ohne die pflegende Hand des Menschen aus. Für eine anschauliche Kronenform und eine gute Ertragskraft sind aber Eingriffe unbedingt erforderlich. Letztlich ist der Schnitt nichts anderes, als den Baum wieder in ein Gleichgewicht (auch Saftwaage genannt) zu bringen, mit dem positiven Effekt, daß er reichlich Früchte trägt. Um die Vorgehensweise beim Baumschnitt verstehen zu können, braucht man einige grundlegende Kenntnisse über die Wuchseigenschaften und die „Bestandteile“ des Baumes.

Der Fachmann unterscheidet im wesentlichen fünf Typen des Schnitts:

1. Pflanzschnitt
2. Erziehungsschnitt
3. Instandhaltungsschnitt (Ertragsschnitt)
4. Auslichtungsschnitt
5. Verjüngungsschnitt Wir werden uns im wesentlichen auf den Instandhaltungs-, Auslichtungs- und Verjüngungsschnitt beschränken, weil sie auch von ungeübten recht einfach erlernt werden können. Aber erst einmal die Grundlagen.

Wuchseigenschaften von Gehölzen

Einige physiologische Grundkenntnisse sind erforderlich, um zu verstehen, was beim Baumschnitt überhaupt passiert.

Regel 1: Der Baum entwickelt die stärkste Wuchskraft an den am höchsten gelegenen Knospen. Das gilt sowohl für den ganzen Baum als auch für einzelne Triebe und auch bei gebogenen Trieben.

Regel 2: Je stärker der Rückschnitt, desto stärker der Neuaustrieb. Das gilt jedoch nur, wenn gleichmäßig stark zurückgeschnitten wird. Denn ansonsten verhält sich der Baum nach Regel 1 und treibt an den weniger gestutzten, aber im Baum höher liegenden Trieben stärker aus.

Regel 3: Obstbäume bilden nicht überall Früchte bzw. Fruchtknospen. Deshalb wird im wesentlichen zwischen den Triebarten Holztriebe, Fruchtriebe (kurze Fruchtspieße und lange Fruchtruten) und Wasserschoße unterschieden. Wichtig: In der Regel entwickeln sich nur waagerecht oder geneigt wachsende Triebe zu Fruchtholz um. Steil wachsende Triebe oder Wasserschosser (sie wachsen meist senkrecht) dagegen nicht.

Die verschiedenen Triebarten des Baumes

triebe

Das Bild zeigt einige Beispiele für die verschiedenen Triebarten an Obstbäumen:

a. Das ist ein typischer Wasserschoß, zu erkennen an den weit auseinander liegenden Knospen (Augen)

b. Holztrieb, mit enger stehenden Knospen (Augen). Er kann später Fruchttriebe ausbilden.

c. Fruchtholz von Apfel (Birne sieht sehr ähnlich aus); bl sind die Blütenknospen, aus denen im Frühjahr Blüten austreiben, b sind die Blattknospen.

d. Fruchtholz der Sauerkirsche

e. Süßkirsche

f. Pflaume.

Mit diesem Grundwissen können Sie sich nun an das Schneiden Ihrer Bäume machen.

 

Die Schnittregeln

Nachdem wir die Grundlagen kennengelernt haben, geht es nun an die Arbeit. Sowohl beim Instandhaltungsschnitt (Beispiel) als auch beim Auslichtungsschnitt (Beispiel) gehen Sie am besten nach dem folgenden Schema vor:

  1. Sehen Sie sich den Baum von etwas Entfernung an. Dann werden Sie sehen, welche Äste entfernt werden können. Kranke und abgestorbene   Triebteile auf jeden Fall abschneiden. Bitte nicht bei Minustemperaturen schneiden und möglichst vor dem Austrieb.
  2. Meistens ist es sinnvoll, alle nach innen wachsende Äste zu entfernen. Sie bekommen wenig Licht und tragen keine Früchte. Wasserschoße können ebenfalls bedenkenlos abgeschnitten werden. Schneiden Sie Wasserschoße an der Basis ab und nicht in der Mitte des Triebes. Eng wachsende Äste sind ebenfalls nicht erwünscht. Belassen Sie aber den Ast am Baum, der die gewünschte Richtung hat und der den stärkeren Wuchs aufweist.
  3. Achten Sie beim Schneiden auf die Saftwaage. In den Grundlagen haben Sie erfahren, daß höher gelegene Triebe stärker wachsen als darunterliegende. Deshalb sollte der Baum in eine gleichmäßige Form gebracht werden (meist Pyramidenform oder Kugel, es gibt aber auch andere Wuchsformen)
  4. Schneiden Sie beim Einkürzen von Trieben auf ein Auge. Das heißt, daß ca. 0,5 cm über dem Auge geschnitten werden soll. Lassen Sie bitte keine größeren Aststummel stehen.
  5. Sie können die Wuchsrichtung eines Astes beeinflußen: Wenn Sie auf ein Auge schneiden, treibt das Auge in die Richtung, in die es zeigt. So können Sie bestimmen, ob ein neuer Trieb nach unten, in etwa waagerecht oder nach oben austreibt. Das wird auch als „Ableiten“ eines Triebes bezeichnet
  6. Verschließen Sie alle Wunden, die größer als ein Zwei Euro Stück sind, mit dem Sprüh-Verband oder dem Baum-Pflaster von Schacht Gartenpflege. Damit verhindern Sie das Eindringen von Krankheitserregern und die Wunde verheilt rasch. Fragen Sie bei Ihrem Fachhändler danach!

Bei jungen Obstbäumen sollten Sie darauf achten, daß die Triebe nicht zu steil wachsen. Hierzu können Sie die zu steilen Äste mit einem Gewicht beschweren und sie so in die gewünschte Richtung leiten. Durch dieses „Abbinden“ wird auch ein übermäßiges Triebwachstum gebremst.

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